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Membranfiltrationsanlagen im Vergleich

Membranfiltration hat sich in den letzten zwei Jahrzehnten als zuverlässige Trennmethode in der Prozessindustrie etabliert. Von der Trinkwasseraufbereitung bis zur Biopharmazeutik – dieser Ratgeber hilft Ihnen, das passende Membranverfahren für Ihren Prozess auszuwählen.

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Übersicht der Filtrationsverfahren nach Trenngrenze

Membranverfahren werden nach ihrer Trenngrenze klassifiziert: Mikrofiltration (MF, 0,1–10 µm) trennt Partikel und Bakterien. Ultrafiltration (UF, 1–100 nm) hält Makromoleküle, Viren und Kolloide zurück. Nanofiltration (NF, 0,5–2 nm) entfernt zweiwertige Ionen und kleine organische Moleküle. Umkehrosmose (RO, <0,5 nm) erzeugt hochreines Permeat durch nahezu vollständige Rückhaltung gelöster Stoffe. Die Auswahl hängt von Partikelgröße, Molmasse der Zielkomponenten sowie dem zulässigen Transmembrandruck (TMP) ab.

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Modulbauformen: Hohlfaser, Wickelmodul und Plattenrahmen

Hohlfasermodule bieten durch ihr hohes Oberflächen-Volumen-Verhältnis (bis 10.000 m²/m³) kompakte Bauweise und sind Standard in der Trinkwasseraufbereitung (UF/MF). Wickelmodule sind der industrielle Standard für NF und RO, leicht skalierbar und ausgetauscht. Plattenrahmenmodule ermöglichen die Verarbeitung viskos-hochkonzentrierter oder faserhaltiger Medien, die zum Fouling neigen, da sie regelmäßig mechanisch gereinigt werden können. Tubular-Module eignen sich für stark verunreinigte Prozessströme in der Lebensmittel- und Abwasserbehandlung.

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Auswahlkriterien für industrielle Prozesse

Fouling-Neigung: Bei medien mit hohem Feststoffgehalt oder Biofilm-Risiko sind rückspülbare MF/UF-Hohlfasermodule oder Tubular-Systeme zu bevorzugen. Hygienestandard: In der Pharmaindustrie sind FDA-konforme PVDF- oder PTFE-Membranen mit validierten CIP/SIP-Reinigungszyklen (Clean-in-Place / Sterilize-in-Place) erforderlich. Konzentrationspolarisation: Bei hoher Rückhalterate muss ein Crossflow-Betrieb sicherstellen, dass sich keine Deckschicht aufbaut. Betriebskosten: Energiebedarf ist bei RO dominant (typisch 3–6 kWh/m³ in der Meerwasserentsalzung); Membranwechselintervalle beeinflussen die Gesamtkosten erheblich.

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Regulatorische Anforderungen und Zertifizierungen

Für Trinkwasseranwendungen ist in Deutschland die Konformität mit der Trinkwasserverordnung (TrinkwV 2023) und das DVG W 512-Prüfzeichen maßgeblich. In der Pharmaindustrie gelten ICH Q7 GMP-Richtlinien sowie USP <1231> für Wasserqualitäten (Purified Water, Water for Injection). CE-Kennzeichnung nach Maschinenrichtlinie 2006/42/EG ist für Komplettanlagen vorgeschrieben. Druckbehälter in Membranmodulen unterliegen der Druckgeräterichtlinie 2014/68/EU ab einer bestimmten PS·V-Grenze.

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